Lust und Last am Urheberrecht
Seit dem Internetboom ist das Thema Urheberrecht in aller Munde. Durch die Möglichkeiten, digitale Daten nicht nur ohne Verluste beliebig kopieren, sondern auch noch in alle Welt verteilen zu können, feiert das Plagiat fröhliche Urstände. Skandal rufen diejenigen, die ihre Pfründe schwinden sehen. Geniale Erfindung meinen die anderen, die durch das Internet neue Geschäfte wittern. Die Politik ist unentschieden. Sollen sie den Urhebern zu Hilfe kommen und damit die eben gewonnene Informationsfreiheit drastisch einschränken oder sollen sie den freien Kräften im virtuellen Netz mehr Möglichkeiten einräumen? Letztendlich werden wir erst in einigen Jahren wissen, wohin die Reise wirklich geht.
Doch wohin wollen wir denn? Klar, die großen Softwarefirmen werden gar nicht mehr fertig mit Geldzählen, die Bosse von Film und Fernsehen oder die Magnaten der Musikindustrie genießen nicht gerade unsere Sympathie. Daher nur auf sie mit Gebrüll, es trifft ja keinen Armen. Ist das richtig? Haben wir da nicht etwas übersehen? Da gibt es doch auch Künstler oder nennen wir sie Schaffende und Gestaltende, die nichts mit diesen Firmen zu tun haben. Haben die eine Chance, wenn das geistige Eigentum unzureichend geschützt sein soll?
Andererseits wie ist es um den Schutz vor Monopolbildungen bestellt? Die Politik von Microsoft ist ein schönes Beispiel für den Einsatz von Marktmacht und die damit einhergehende Verdrängung von Konkurrenz und damit von Ideenpotential. Wo hat hier der Schaffende eine Chance, tätig zu sein und Geld zu verdienen?
Eine interessante Bewegung ist Open Source. Hier erhalten Schaffende die Möglichkeit, sich zu entfalten. Das Besondere, ein wesentliches Ziel ist die unentgeltliche Weitergabemöglichkeit und Vervielfältigung der Ideen und Entwicklungen. Ein ideales, weil unbegrenztes Terrain für Entwickler wie Künster und kreative Menschen an sich. Die Sache hat nur einen Haken. Damit verdient man kein Geld. Durch die Freigabe der Ideen entstehen sehr leistungsfähige Netze von Entwicklungsteams. Aber ohne den unentgeltlichen Einsatz begeisterter Mitstreiter der Ideen ginge da gar nichts.
Die Kardinalfrage müsste daher lauten, wie kann ich die Kreativität und Vielfalt zulassen wie bei Open Source und dennoch Geld verdienen. Die Vertreter von Open Source werden sagen, dass es immer genug außerhalb ihrer Bewegung gibt, das kommerziell verwertet werden kann. Damit erhalten sie eine Trennung aufrecht zwischen beiden Welten und sorgen so dafür, sich möglichst ungestört weiter entfalten zu können. Unklar ist weiterhin, wo die Grenze zwischen Open Source und Kommerziealität verlaufen soll. Hier und da gibt es dazu Regelungen. An anderen Stellen tauchen Trittbrettfahrer auf, die durch ein Ausnutzen der unklaren Grenzen Urheberrechtsstreitigkeiten anstellen.
Ich würde es begrüßen, wenn man die Vorteile beider Welten vereinbaren könnte. Die reine Lehre des Urheberrechts führt zu Einnahmemöglichkeiten, die ich schlichtweg für unanständig halte. Wer ein Logo malt, dass millionenfache Verbreitung findet, kann sich zur Ruhe setzen. Das ist nicht angemessen. Auf der anderen Seite werden komplexe Anwendungen durch eine Hundertschaft von Freiwilligen entworfen und entwickelt. Dabei stecken nicht nur viele Arbeiststunden in diesen Produkten, sondern auch hochspezielles Fachwissen. Leistungen, für die überall hohe Summen investiert werden müssten. Dies ist in der Tat wettbewerbsverzerrend. Wenn es einen Weg gäbe, aus diesen beiden Wegen das Positive zu verbinden, könnte dies unsere Informationsgesellschaft deutlich voranbringen. Momentan bekämpfen sich beide und verlieren dabei unnötig Energie.