Der eigentliche Kracher der Keynote zur Macworld ist der MacMini. Apple bricht dabei gleich mit zwei Traditionen. Einmal hat der Mac keinen Bildschirm. Zum anderen zielt er preislich nicht auf die verwöhnte besser verdienende Kundschaft, sondern auf die Kunden von Aldi, H&M und DM. Das Gerät ist stylisch, groovie, hipp und dazu auch noch erschwinglich. Natürlich werden viele meckern, dass das Gerät eine Mogelpackung ist und in Wahrheit viel mehr kostet. Na und. Mit diesem Gerät kann jeder in den Genuss eines Apple Computers kommen und wir wissen aus unzähligen Beispielen, wer dort einmal angelangt ist, fragt sich , wieso er so lange bei Windows auf der bösen Seite der Macht ausharren konnte.
In Scharen werden sie switchen. Nein, nicht die HighEnd-Gamer und Power-Sharer. Aber alle, denen Leistung nicht das Wichtigste ist, sondern ein Computer, der auch im Wohnzimmer kein störendes Bild abgibt, mit dem man schnell und einfach ins Internet gehen kann, der nicht von bösen Viren und Würmern heimgesucht wird, der nicht abstürzt oder neu installiert werden muss, sondern einfach nur da ist und funktioniert. Natürlich wird man mit dem Mini nicht Filme brennen wollen wie ein Wilder. Aber eine DVD mit Kopfhörer in Ruhe ansehen oder auch eigene Fotos sammeln oder als Diashow auf eine CD bzw. DVD brennen. Das geht mit dem Minimac ganz wunderbar.
Im Gegensatz zu dem bösen und unangemessenen Artikel bei swr3, ist der Süddeutschen Zeitung die Einführung des MiniMac und des iPod shuffle gleich drei Artikel wert.
Auf der Seite Wissen finden wir:
Apple im Lunch-Paket
Mini-Computer für 500 Dollar
Der Computerhersteller Apple möchte offenbar den großen Erfolg seines tragbaren Musik-Abspielers iPod nutzen, um mehr Kunden an seine Marke zu binden. Dazu hat Firmenchef Steve Jobs auf der MacWorld-Ausstellung in San Francisco am Dienstag zwei Produkte vorgestellt, die das Angebot des Herstellers nach unten abrunden sollen - Apple galt schließlich bislang als Hersteller guter, aber teurer Produkte. Zum einen präsentiert Jobs den ¸¸iPod Shuffle", einen Musikspieler in der Größe einer Kaugummipackung mit einem Gewicht von 22 Gramm. Er enthält im Gegensatz zu den bisherigen Modellen keine Festplatte, sondern einen so genannten Flashspeicher von 512 Megabyte oder einem Gigabyte Größe - darauf passen nach Apple-Angaben 120 oder 240 Songs. Um Musik auf das Gerät zu kopieren oder den Akku aufzuladen, wird das Gerät einfach in eine USB-Buchse am Computer gesteckt. Es ist ab sofort für 100 oder 150 Euro - je nach Kapazität - bei Apple zu bestellen. Eine womöglich noch größere Abweichung vom bisherigen Image stellt aber der Mac Mini dar, ein vollwertiger Desktop-Computer in der Größe einer Brotzeitdose. Ausgestattet mit einem G4-Prozessor mit 1,25 Gigahertz Taktfrequenz und 40 Gigabyte-Festplatte kostet er ab 489 Euro - ohne Tastatur, Maus oder Bildschirm. Wer den Computer mit den Eingabegeräten, einem DVD-Brenner, schnellerem Prozessor, größerer Festplatte, mehr Arbeitsspeicher sowie Funkmodulen für Bluetooth und WLAN bestellt, kann 1000 Euro dafür ausgeben - und braucht immer noch einen Bildschirm. cris
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.9, Donnerstag, den 13. Januar 2005 , Seite 9
Im Feuilleton finden wir eine ausführliche Schilderung:
Rechnende Keksdose
Peripherie bitte selbst mitbringen! Apple drängt mit dem minimalistischen Kleinod ¸¸Mac mini" auf den Massenmarkt
Eine glitzernde Kinderschuhschachtel? Nein, es ist eine Eishockey-Puck-Fehlpressung. Nein, es ist eine hermetisch verriegelte Keksdose. Nein, es ist der flache Schädel eines Roboter-Zyklopen, der seine DVD-Zunge heraus streckt. Auch wieder nicht. Es ist der neue ¸¸Mac mini". Ein Apple-Computer, der überhaupt nicht danach aussieht, als könne er rechnen. Genau so hoch, aber etwas breiter als fünf gestapelte CD-Hüllen ist er. Glatt und eben kommt er daher, schnörkellos und mit abgerundeten Ecken - das ja. Aber er ist - zumal für einen Computer - dann doch von eher schwer definierbarem Äußeren.
Ganz offensichtlich ist hier viel Designer-Energie und Techniker-Schweiß darauf verwandt worden, das Gerät nicht als Angehörigen seiner rechnenden Zunft erscheinen zu lassen. Doch solche Camouflage, das Verstecken von Funktion und Bestimmung, gehört seit je zur Produkt-Politik der kalifornischen Firma. Schon die ersten Macs waren mehr zwergenhaft schelmische Boxen als ernsthafte Rechnerhünen. Erinnert sei auch an den legendären ¸¸Cube", den man sowohl für einen Plexiglas-veredelten Wäschetrockner als auch für eine schmucke Wahlurne halten konnte. Oder an den blendend weißen ¸¸iMac" mit dem Fußballfuß, der eine komplizierte Kreuzung aus Stehlampe und Sahne-Baiser hätte sein können.
Im letzten Jahr dann machte Apples ¸¸iMac G5" damit Furore, dass von diesem Rechner nur das Display übrig geblieben zu sein schien. Die eigentliche Technik kauert bedürfnislos in dessen Rahmen und auf der Rückseite. Und nun also der ¸¸Mac mini". Er ist gewissermaßen ein Antipode des ¸¸iMac G5" und ein minimalistisches Kleinod: Der Rechner in reiner Leere und vollkommener Symmetrie. Lediglich die gut ausgestattete Buchsenleiste auf der Rückseite offenbart, dass auch dieses Gerät nicht autistisch, in sich geschlossen Daten verdauen will, sondern ebenfalls nach Peripherie verlangt: Hier sind die Schnittstellen für Monitor, Tastatur, Maus, Vernetzung, externe Speichermedien und endlich auch der Ein-Aus-Knopf zu finden.
Seit Dienstagabend kann man diesem Ensemble nun also dabei zuschauen, wie es in elegantester Mimikry changiert. Da wurde es in San Francisco anlässlich der alljährlichen ¸¸Macworld" vorgestellt.
¸¸Das ist ein BYODKM-Computer', witzelte Apple-Chef Steve Jobs bei der Taufe: ¸¸Bring your own display, keyboard and mouse" - zu Deutsch: ¸¸Bringe Monitor, Tastatur und Maus selbst mit!" Eine charmante Unverschämtheit - aber vor allem ein ökonomischer Geniestreich. Denn mit dem ¸¸Mac Mini" bietet Apple erstmals einen erschwinglichen Volkscomputer an und folglich einen ernst zu nehmenden Konkurrenten auf dem ansonsten hospitalgrau dominierten PC-Markt: den stilvoll-eleganten ¸¸Rechner für alle" aus dem renommierten Mac-Universum. Dieses wurde übrigens von Jobs noch um den ¸¸iPod Shuffle" bereichert, einen in jeder Hinsicht kleinen Bruder jenes ¸¸iPod", der Apples fast schon sagenhaften Erfolg im letzten Jahr begründete. Hinter dem nun vorgestellten ¸¸iPod Shuffle" verbirgt sich ein Musikabspielgerät mit geringen Kapazitäten in der Größe eines Kaugummipäckchens, von dem man auf Anhieb nicht sagen kann, ob es sich um einen größenwahnsinnig gewordenen Kugelschreiber, ein gründlich missratenes Fieberthermometer oder nicht doch um einen Schwangerschaftstest-Streifen handelt. Designer-Camouflage at work also auch hier. Beide, ¸¸Shuffle" wie ¸¸Mac mini", zielen auf den von Windows-Rechnern beherrschten Massenmarkt. ¸¸Leute, die über einen Wechsel nachdenken, haben künftig keine Ausrede mehr, nicht umzusteigen", sagte Jobs denn auch.
Dabei profitiert Apple vom Nimbus des Besonderen. Anders als bei den Computern der Konkurrenz, die mit dem Betriebssystem der Firma Microsoft ausgestattet sind, fungiert Hersteller Apple ja auch als Urheber seines eigenen, längst überschwänglich gelobten ¸¸Mac OSX". Dieses Betriebssystem wird deswegen so bewundert, weil es angeblich Funktionalität und Stabilität mit Eleganz und intuitiver Bedienbarkeit paart. Insofern verlängert der ¸¸Mac mini" das Konzept der ¸¸stylish simplicity" (Apple-Werbung) gewissermaßen in die analoge Welt der Hardware hinein. Festzuhalten ist jedoch, dass zwar das Arrangement dieses Macs und die harmonische Komposition seiner Bestandteile sicherlich ein Meisterstück des Industrie-Designs und der Ingenieurskunst darstellen, dessen technische Ausstattung aber deutlich im Diesseits des heute Möglichen verbleibt.
Für den Normal-Anwender aber, der sich bisher darüber gewundert hat, dass so etwas Flüchtiges wie die Virtualität der Daten immer in ein ärgerlich massives und zumeist erbärmlich klobiges Gehäuse wie das herkömmlicher PCs kaserniert wird, kann der kleinste Macintosh durchaus eine lockende Versuchung zum ¸¸Switch", also zum Umstieg in die Mac-Welt darstellen. Auch wenn man das schmucke Gerät nach Anschluss der leidigen, aber doch immer noch notwendigen Peripherie-Geräte mit einem interessant gestalteten Netzteil verwechseln könnte.
BERND GRAFF
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.9, Donnerstag, den 13. Januar 2005 , Seite 11
Und auch im Wirtschaftsteil bezieht die Süddeutsche Stellung:
Der kopflose Mac kommt
Apple geht erstmals mit einem Billigcomputer auf Kundenfang
anb München - Apple nimmt den Massenmarkt in Angriff. Der Computerhersteller aus Cupertino, der bislang auf die edle, aber auch eher hochpreisige Nische setzte, bringt nun gleich bei zwei Produktreihen Billigvarianten auf den Markt: Der Mac mini, eine abgespeckte PC-Variante, ist vom 29. Januar an ab 489 Euro zu haben und damit der billigste Computer, den die Firma je verkauft hat. Den digitalen Musikspieler iPod shuffle gibt es demnächst ab 99 Euro.
Den neuen PC haben Apple-Fans schon den ¸¸kopflosen" Mac getauft, denn er kommt ohne das gewohnte Zubehör: Wer nicht ohnehin noch von einem alten Rechner Monitor, Maus und Tastatur herumliegen hat, muss sie extra kaufen. Der Mac selbst ist wenig breiter als eine CD, knapp fünf Zentimeter hoch und nur 1,3 Kilogramm schwer. In der billigeren Variante hat er einen 1,25 Gigahertz-Prozessor und eine 40-Gigabyte-Festplatte, für 589 Euro gibt es eine Taktung von 1,42 Ghz und eine doppelt so große Festplatte.
Apple verkündet schon lange, dass es seinen Marktanteil bei Rechnern steigern will. Doch bislang ging die Strategie nicht auf. Die schicken, durchdachten und benutzerfreundlichen iMacs haben zwar ihre Fans, doch bei Komplettpreisen weit jenseits der 1000-Euro-Marke - das billigste Modell war bislang für rund 1350 Euro zu haben - blieben die meisten Käufer den Windows-Computern treu. Apples Weltmarktanteil stagnierte bei zwei Prozent. Branchenexperten forderten deshalb schon seit einiger Zeit billigere Geräte für den Massenmarkt. Nun gibt es sie: ¸¸Wir haben den Preis so festgesetzt, dass Leute, die sich den Wechsel überlegen, keine Ausrede mehr haben", erklärte Apple-Vorstandschef Steve Jobs optimistisch bei der Vorstellung des Mac mini zur MacWorld Expo in San Francisco.
Bei den Musikspielern kann er hingegen nicht über seinen Marktanteil klagen. Immerhin beherrscht der iPod Jobs zufolge bei Geräten mit Festplatte rund 65 Prozent seines Marktes, das entspreche einem knappen Drittel des Gesamtmarktes. Alleine im Weihnachtsquartal gingen 4,5 Millionen iPods über den Tisch. Dennoch greift Apple auch hier mit einer Version für den kleinen Geldbeutel an, die allerdings auch deutlich weniger bietet: Statt einer Festplatte wie seine großen Brüder hat der Shuffle einen Flash-Speicher. Damit lassen sich auf dem 99-Euro-Modell bis zu 120 Songs unterbringen, während etwa auf den iPod mini 1000 Lieder passen. Dafür ist der jüngste Musikspieler aus dem Hause Apple kleiner und leichter als die durchschnittliche Kaugummipackung.
Die Börse reagierte enttäuscht auf Apples Ankündigungen. Am Dienstag fiel die Aktie um rund sechs Prozent, am Mittwoch setzte sich der Negativtrend weiter fort.
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.9, Donnerstag, den 13. Januar 2005 , Seite 21