Emstetten und das Spieleverbot
Nach dem Amoklauf von Emstetten gibt es mal wieder Diskussionen zum Für und Wider von Ballerspielen. Meine Meinung kennt Ihr oder Ihr solltet sie kennen. Dennoch finde ich es mal wieder interessant, dass gerade die Computerfreunde immer wieder die gleichen Argumente vorbringen. Demnach liege es nicht an den Shootern, sondern an den Spielern selbst, dass sie mit dem Thema Gewalt nicht richtig umgehen können.
Diese Aussage ist ja nicht falsch. Dennoch dürfte es nicht schaden, die Egoshooter zu verbieten. Denn so toll und wertvoll sind diese Spiele wirklich nicht, dass man sich dafür verwenden müsste. Das dürfte den Rechtschaffenen keinen Zacken aus der Krone brechen und im ein oder anderen Fall verhindern, dass ein labiler Mensch damit in Berührung kommt. Natürlich werden die Spiele dann unerlaubt geladen, ist klar. Aber das ist kein Prinzip für einen Rechtsstaat, dass man alles erlaubt, was man als Verbot nicht oder nur schwer durchsetzen kann. Ergo ist das eine Killerphrase.
Spieler, die sich für den Beibehalt dieser dumpfsinnigen Spiele einsetzen, wecken in mir den Verdacht, dass sie doch eingenommen sind bei diesem Thema. Wer weiß, vielleicht stehen sie doch nicht so sehr über der Sache wie sie gerne behaupten.
Kommentare
Ich bin auch nicht für diese Spiele. Doch ein Verbot alleine wird nicht reichen. Denn die Kiddies heutzutage wissen, wie man trotzdem da rankommt.
Die Eltern sind da einfach mehr gefragt. Man sollte schon wissen, was der Spross da auf dem Rechner laufen hat und sich dafür interessieren.
Übrigens: Auf WDR läuft gerade »hartaberfair« mit Frank Plasberg zu diesem Thema.
Verfasst von: macwoern | 22.11.06 20:52
Ich schaue mir gerade diesen etwas langatimigen Pamir-Schinken im Ersten an.
Von einem Verbot der Spiele verspreche ich mir wirklich nicht allzu viel. Aber die Eltern müssen auch immer alleine ausräumen, was die ganze Gesellschaft verbockt. So einfach ist das heute nicht mehr. Was macht man denn mit Kindern, wenn alle Freunde diese Spiele haben? Da fällt es schon schwer immer nein zu sagen.
Verfasst von: switchpacker | 22.11.06 21:23
"Aber das ist kein Prinzip für einen Rechtsstaat, dass man alles erlaubt, was man als Verbot nicht oder nur schwer durchsetzen kann."
Es ist auch kein Prinzip alles zu verbieten, was verboten werden könnte. Gewalt verherrlichende Spiele sind für Jugendliche längst verboten. Mit PISA zu argumentieren wie es viele tun ist doch Blödsinn. Soll man dann alles verbieten, was den Kindern eventuell Spaß machen könnte? Manche Lesen zum Beispiel auch lieber in ihrer Freizeit statt Mathe zu lernen. Auch verbieten?
Es mag sein, dass du diese Spiele als stumpfsinnig ansiehst aber man kann eben nicht alles verbieten was einem an anderen nicht gefällt. Was für Medien man konsumiert ist die Entscheidung jedes einzelnen erwachsenen Menschen. Wenn man Spiele komplett verbietet entmündigt man die Menschen. Klar ... einige Spiele sind sinnlos aber das sind Talkshows auch ... und da verlangt keiner, dass sie verboten werden.
Das Problem bei diesem Amokläuferfall geht doch zudem viel tiefer. Da spielen soziale Ausgrenzung und "Mobbing" die Hauptrolle. Es ist natürlich für die meisten einfacher die Symptome zu verbieten als die Ursachen zu bekämpfen.
Verfasst von: FJ | 22.11.06 22:06
Ich finde, dass es sich beide Seiten in dieser Fragestellung etwas einfach machen.
Die einen pauschalieren die Schädlichkeit dieser Spiele und erwecken den Eindruck, als wissen sie nicht wovon sie reden. Die anderen verteidigen genauso pauschal alle Arten von Spielen, weil die Freiheit jedes einzelnen ein so wichtiges Gut ist.
Sicher ist die Freiheit jedes Spielers, aber auch jedes Spieleherstellers ein erheblicher Faktor. Andererseits sollte man noch einmal genau hinschauen, welche Werte und Anschauungen mit Spielen vermittelt werden. In der Tat kenne ich mich da nicht genau aus. Wenn die gewaltverherrlichenden Ballerspiele bereits verboten sind, dann habe ich gar nichts gesagt.
Aber kann es nicht sein, dass inzwischen die Grenze dessen, was zu einem vernünftigen und gesunden Menschenbild gehört immer weiter hinausgeschoben wird? Jedenfalls würde es sich meines Erachtens lohnen, diese Grenze noch einmal genauer anzusehen und zu überprüfen.
Das gilt im übrigen für alle Medien, Fernsehen, Film, Buch, was auch immer. Die Spiele sind nur ein Teil davon.
Damit will ich nicht der Zensur das Wort reden. Doch die völlige Freigabe aller Inhalte hat es noch nie gegeben. Die Frage muss lauten, wie viel Freiheit können wir an dieser Steller vertragen? Wieviel Freiheit können wir ertragen? Und werden am Ende nicht auch Rechte anderer verletzt? Denken wir an religiöse Überzeugungen. Mir gefällt es nicht, wenn in Spielen oder Filmen Massentötungen belacht werden. Das geht mir entschieden zu weit.
Zu denken ist aber auch an Ehrverletzungen bestimmter Personengruppen wie Frauen, Polizisten, Menschen mit Behinderungen, Homosexueller, was auch immer.
Vielleicht fantasiere ich jetzt hier rum und das alles hat mit den Spielen gar nichts zu tun. Doch generell beobachte ich, dass die Wertvorstellungen und die Rücksichtnahme auf die Werte anderer immer weiter zurückgedrängt werden. Wohin soll das führen? Gibt es keine Grenze?
Verfasst von: switchpacker | 22.11.06 22:28
Weblog eines katholischen, rennradfahrenden Mac-Users
Was sagt uns diese Überschrift? Das Du gläubiger Christ bist und deswegen grundsätzlich gegen soche Spiele bist. Also bist Du voreingenommen. Als Radfahrer musst Du ja auch eine Menge Zeit in Dein Hobby investieren und wirst keine Zeit zum Zocken haben. Als MAC - User stehst Du glaube ich bei EGO-Shootern auch Aussen vor. Redet hier der (geklaut aus einem anderen Blog) Blinde von der Farbe?
Benny
Verfasst von: Benny | 22.11.06 22:51
@Benny
Herzlich willkommen in meinem Blog.
Wenn katholisch sein bedeutet, dass ich voreingenommen bin, dann ist jeder von uns durch irgendetwas voreingenommen.
Ich gebe zu, dass ich Egoshooter nicht spiele. Das behaupte ich auch nicht. Aber diejenigen, die es spielen, sind besonders voreingenommen.
Verfasst von: switchpacker | 22.11.06 23:44
Yo..
Wer offen zu seinem Glauben steht ( was ja auch OK ist) wird in diesem Fall nicht neutral sein. Glauben und EGO-Shooter beißt sich halt. EGO Shooter sind nix für Dich und gut. Aber das ist nur Deine Meinung. Und Deine Meinung wurde geprägt aus Deiner Einstellung(Glauben) und dem Nichtwisen über EGO_Shooter. Ich möchte Dich mal sehen was passieren würde wenn man dir deinen Glauben verbieten würde. Weil schon Kriege im Namen der Kirche angezettelt wurden ist das eben gefährlich für die Menschen. Mir wäre das egal. Ich brauche keine Kirche und keinen Papst. Ich schreib dann in das Blog der Computerwoche sinngemäß: Glauben braucht doch eh keiner. Soll er doch ruhig verboten werden.
Du aber würdest für Deinen Gauben einstehen und Deine Meinung äußern. Und Ruckzuck sind die Fronten getauscht. So leicht geht das. Jeder hat bestimmte Dinge für die er einsteht. Und da nervt es einfach, das sich Leute zu Wort melden die von der Materie Null Ahnung haben. Speziell unsere Politiker sind Paradebeispeile dafür.
Ich sage dann frei nach Dieter Nuhr:'Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Schnauze halten'.
Wer EGO Shooter spielt ist nicht voreingenommen sondern weiß nur worüber er redet. Wer EGO-Shooter nicht spielt redet eben wie der Blinde von der Farbe.
CU Benny
Verfasst von: Benny | 23.11.06 01:39
Danke Benny für Dein Statement.
An dieser Stelle möchte ich die Debatte beenden. Nach einer Nacht darüber schlafen ist mir aufgefallen, dass es nicht in Ordnung ist, über Spiele zu diskutieren im Zusammenhang mit einer schweren Straftat. Damit kommt gleich ein persönlicher Vorwurf in die Diskussion. Daher kann ich verstehen, dass ich auch gleich mein Fett abbekommen habe, was mir auch nicht gerade gefallen hat.
Also Schwamm drüber, wir haben uns wieder lieb.
Verfasst von: switchpacker | 23.11.06 07:14
Dann verbieten wir auch Autos.
Immerhin haben in den letzen Jahre Personen diese benutzt um bei Amokfahrten Menschen zu überfahren.
Am besten verbieten wir alles was irgendwie Mißbraucht werden kann.
Fangen wir beim Buttermesser an.
Verfasst von: Sven Janssen | 23.11.06 10:07
Hey Switchpacker,
war doch nicht bös gemeint. Sorry, wenn ich Dir zu nahe getreten bin. Sicherlich ist es gut diese leidige Diskussion zu beenden. Es kann nix Vernünftiges dabei herauskommen. Ich sehe hier Parallelen zu der Diskussion der Raucher/Nichtraucher um das Rauchverbot. Gleiches Chaos, gleichviel Emotionen. Halten wir es wie die 60er Generation - make love not war.
CU Benny
Verfasst von: Benny | 23.11.06 11:57