Verlorene Goldmedaillen der Reiterequipe
Jetzt betteln Sie geradezu um eine Medaille (FAZ.NET). Langsam nimmt die Geschichte sehr traurige und unwürdig Züge an.
Jetzt betteln Sie geradezu um eine Medaille (FAZ.NET). Langsam nimmt die Geschichte sehr traurige und unwürdig Züge an.
Habt Ihr kapiert, wieso die Goldmedaillen der Vielseitigkeitsreiter, hieß das nicht mal Military, aberkannt wurden? Ich habe nun diverse Artikel dazu gelesen und immer nur verstanden, dass unsere Reiter über eine Regelinterpretation um den verdienten Lohn gebracht worden sind. Alle deutschen Journalisten wettern gegen die Bürokratie, aber keiner stellt klar, ob die deutschen Reiter wirklich die Besseren waren oder ein falsches Messergebnis vorlag. Tatsache ist, dass Bettina Hoy zweimal über die Startlinie gegangen war und erst beim zweiten mal die Zeitnahme erfolgte. Dies ist ein Fehler und dafür muss es eine Reaktion geben. Es ist doch absolut weinerlich und unsportlich von den Deutschen, auf diesen Messfehler zu schimpfen. Die Konkurrenten, bei denen alles richtig lief sind doch die Dummen. Klar ist das ärgerlich für die deutsche Equipe. Aber es ist nun mal passiert. Die Jammerei gibt doch erst recht ein schlechtes Bild in der Weltöffentlichkeit ab.
Das schlecht gelaunte Nuschelorakel von SWR 3 zeigt die richtige Einstellung, indem es heute morgen nuschelte, „dummes Gehoppel, gehören doch alle zu Gulasch verarbeitet”.
Andreas Platthaus spricht mir aus der Seele. Die Deutschen beschäftigen sich viel zu sehr mit ihren eigenen Sportlern. Dadurch werden die schönen Seiten der Wettkämpfe nur sichtbar, wenn Deutsche gewinnen und der Umgang mit unseren Athleten, die nicht gewinnen ist respektlos, unangemessen und nicht selten von wenig Verstand geprägt. Und bitte liebes öffentlich rechtliches Fernsehen. Platthaus und ich meinen keineswegs irgendwelche Boulevardblätter. Das Fernsehen ist zur Zeit das Schlimmste. Eurosport ist richtig angenehm im Vergleich zu ARD und ZDF.
Das gebührenpflichtige Fernsehen ist eine einzige Katastrophe.
Täglich werden 1.000 Kondome aus den für die 16.000 Athleten bereit gestellten Automaten entnommen. Laut Spiegel Online sind bereits 15.000 verteilt worden. Das ist aber ein ausgeprägtes Liebesleben. Da bekommt der olympische Gedanke „dabei sein ist Alles” eine ganz besondere Note.
Schön gemacht. SPON, soll heißen Spiegel Online hat ein Ranking der Dopingsünder bei den olympischen Spielen herausgegeben. Ähnlich wie beim Medaillenspiegel werden hier die Staaten herausgehoben, bei denen die meisten Sportler des Dopings überführt wurden. Die USA auf Platz 3 mit einer Reihe anderen, weil erst ein Sportler erwischt wurde. Lachhaft. Die Powerdoper sollten eher hier als beim Medaillenspiegel führen. Sehr informativ ist auch die Liste mit den Namen der Sünder und den Mitteln, mit denen sie erwischt wurden.
So eine Übersicht wünsche ich mir nicht nur bei den Olympischen Spielen. Wie wäre eine Dopingliste der Radsportler seit Beginn der Kontrollen?
Da habe ich ja gründlich daneben gelegen. Was war denn heute mit Ullrich los, dass er in seiner ureigensten Disziplin dermaßen vorgeführt wird. Das ist ja ein Debakel. Platz 7 mit über 1:30 Minuten Rückstand auf den Sieger. Von wegen, Ullrich ist normalerweise immer gut drauf nach der Tour. Er ist sauschlecht drauf. So schlecht habe ich ihn nach einer Tour noch nie gesehen. Ist die Luft raus, braucht er mal wieder eine Pause? Hach, was sollen diese Fragen? Das war eine hundsmiserable Vorstellung. Mir ist ganz schlecht und ich habe jetzt absolut keine Lust mehr auf Olympia, Radsport oder irgendwas.
Der australische Fernsehsender Fox Sports hat ermittelt, das der amerikanische Leichtathletikverband Usada seine Verpflichtung zur Dopingkontrolle seiner Athleten offenbar nicht ganz so ernst genommen hat. So wurden die Spitzenathleten im ersten Quartal des Olympiajahres überhaupt nicht, 100-m Weltrekordler Tim Montgomery kein einziges mal und die Sportlerin Sheena Johnson 15 Monate nicht getestet (entnommen der Rhein-Zeitung vom 18.08.04). In den USA kommt man nicht nur an die besten Präparate heran, man kann sich auch ungestörter davon ernähren.
Auf dem Papier schon, wie Radsportnews orakelt. Die äußeren Bedingungen stimmen. Ullrich ist gut vorbereitet, das Wetter ist gut, die Strecke sollte ihm liegen. Einzig der heute starke Wind könnte ein Handicap sein. Echte Gegner scheint es nicht zu geben. Doch da kann man sich täuschen. Botero hat bereits genauso wie Rich in eindrucksvoller Weise Zeitfahren gewonnen. Auch Winokurow und Serhiy Honchar sind nicht zu unterschätzen. Doch im Gegensatz zum Straßenrennen am Samstag tippe ich auf Ullrich. Einzig der Erfolgsdruck kann ihn noch bremsen.
Wieso können unsere Schwimmer nicht gewinnen? Manchmal hat man den Eindruck, alles geht schief. Die Papierform stimmt, die Vorbereitung war gut, aber beim Wettkampf läuft einfach nichts zusammen. Es ist wie verhext. Kann es denn sein, dass so etwas nur vom Kopf kommt? Heute nach der 4 x 200 m Männerstaffel verweilte die Kamera eine Zeit lang auf dem Gesicht des deutschen Schlussschwimmers. Darin waren Ungläubigkeit, Überraschung und Verzweiflung zu lesen, als könnte der Mann nicht glauben, was da mit ihm passiert. Immerhin hat Franziska v. Almsick in keinem der Vorläufe Leistungen gezeigt, die Hoffnung auf Gold gemacht hätten. Das spricht doch eher dafür, dass es nicht der Kopf ist, sondern ein Leistungsunterschied zu den Topschwimmern besteht. Ist es denkbar, dass unsere Schwimmer falsch trainiert haben, zu früh vor den Wettkämpfen ihre Topform erreicht haben? Oder ist es eher eine Frage, wer wann wie erfolgreich gedopt hat? Am Ende haben die Athleten aus Übersee bessere Präparate. Das Ergebnis der Tour de France spricht dafür.
Heute abend sah ich ein wenig Synchronspringen der Frauen. Da treten zwei Damen gemeinsam auf dem Zehnmeterbrett an und springen möglichst synchron ins Wasser. Dabei werden unterschiedliche Figuren mit Dreifachsalto rückwärts, vorwärts oder sonstwie gesprungen. Es ging alles sehr schnell. Die Punktrichter hatten sicherlich kaum Zeit, abzustimmen, da kam schon das nächste Pärchen. Hübsche Frauen habe ich dabei keine entdecken können. Die meisten hatten ein barbarisch breites Kreuz. Lustig wurde es, wenn die Kandidatinnen so gar nicht zueinander zu passen schienen, weil eine Springerin fast doppelt so groß war wie die Kollegin. Die haben in aller Regel auch nicht so gleichmäßig springen können. Ist es eigentlich erlaubt, den Salto mit geöffneten Beinen zu springen? Ich finde es ästhetischer, wenn die Beine geschlossen gehalten werden.
Da es zu dieser Olympiade immer mehr zu berichten gibt, habe ich mich entschlossen eine eigene Rubrik anzulegen. Unter http://www.switchpack.org/archives/olympia_2004/index.html werde ich in den kommenden zwei Wochen meinen eigenen Senf zu den olympischen Ereignissen beitragen. Natürlich werde ich dabei eher die Themen und Sportarten streifen, die mich interessieren. So ist Beachvolleyball der Damen sicherlich um Klassen interessanter, wie das der Herren. Und wie es zwei bekannte Radiomoderatoren karikieren, wird mir der Sport von Dresuris Langweilis ebenfalls wenig zusagen.
Da ist aber richtig was los. Wenn sich Frauen streiten, ist es irgendwie gründlicher als bei den Männern. Irgendwie kann ich Petra Roßner verstehen. Ich beobachte sie schon seit einigen Jahren und finde nicht, dass sie eine reine Sprinterin ist. Gut, sie ist keine Bergziege, ich würde sie aber eher mit Erik Zabel vergleichen, der ein guter Sprinter und ein guter Eintagsrennfahrer ist, wenn die Strecke nicht allzu schwer ist. Da ist die olympische Radstrecke doch geradezu wie geschaffen für solche Athleten.
Sylvia Schenk hat seit ihrem Amtsantritt als Präsidentin des BDR kein glückliches Händchen bewiesen. Erst der Skandal mit den Bahnfahrern im letzten Jahr und nun das. Wir sollten mal über Frau Schenk reden und nicht immer über die bösen Radfahrer. Bei denen stimmt die Leistung.
Judith Arndt holt Silber im Straßenradrennen der Frauen. Tolle Leistung, könnte man meinen. Doch Judith Arndt ist anderer Meinung und stinksauer auf ihren Verband den Bund deutscher Radfahrer. Dort hat man Petra Roßner, die Freundin von Judith Arndt zu Hause gelassen, weil Roßner nicht mehr die Topleistungen bringe und schon zu alt ist. Roßner, Arndt und Teamkolleginnen bei der Nürnberger Equipe sind da ganz anderer Ansicht. Sie alle sehen in Roßner ihre beste Fahrerin. Mit Jeannie Longo zeigt der französische Verband, dass noch weit ältere Fahrerinnen eine Olympiateilnahme ermöglicht bekommen. Longo ist mit 46 Jahren auch eine echte Ausnahme. Das Ergebnis von Arndt trägt dazu bei, dass das Vertrauen in die Entscheidungen des BDR weiter nachlässt. Bei den Weltmeisterschaften des Jahres 2003 kam es zum Eklat mit den Bahnfahrern. Jens Lehmann klagt derzeit gegen den Verband wegen seiner Nichtnominierung zur Olympiade. Der BDR hat in der Tat derzeit kein gutes Händchen. Wer weiß, am Ende wird nach den olympischen Spielen doch mal ein reinigendes Gewitter einsetzen.
Ich möchte ja nicht rechthaberisch erscheinen. Aber andeutungsweise habe ich schon mit Bettini gerechnet, siehe hier. Weiter lag ich wohl richtig, wenn ich Jan Ullrich nicht in den Medaillenrängen gesehen habe. Überrascht war ich vom Abschneiden von Erik Zabel. Im Nachhinein muss man sagen, dass Deutschland durch seine Fixierung auf Ullrich aufs falsche Pferd gesetzt hat. Man hätte mitrollen sollen und dann mit massiver Verfolgungsarbeit in der letzten Runde die Verfolger einfangen. Es war gut zu sehen, dass Zabel auf der schweren und ansteigenden Zielgeraden gut zurecht kam. Sprinter waren ohnehin zu diesem Zeitpunkt nicht mehr dabei. Weiterhin hatte ich mich bei Andreas Klöden nicht getäuscht. Ein Tourzweiter, der bei diesem Eintagesrennen das Ziel nicht erreicht, ist wirklich eine traurige Erscheinung. Nach dieser Vorstellung hat Klöden seine Möglichkeiten auf einen besseren Vertrag für die kommende Saison verspielt (siehe hierzu auch Klöden zu Gerolsteiner?). Ich würde ihm jedenfalls keine Verbesserung anbieten. Für seine Leistungen bei der Tour fehlt die Bestätigung. Seine Verpflichtung ist für jeden Sportchef ein Risiko.
Im ZDF singt uns Anastacia etwas vor, was nicht jedem gefällt. Die Dame ist überhaupt sehr umstritten, wie ich etwas überrascht der Süddeutschen vom Freitag entnehmen konnte (in der Onlineausgabe leider nicht enthalten). Dort wirft man ihr vor, sich auf den Markt außerhalb Amerikas zu konzentrieren, weil man dort nicht merke, wie schamlos sie kopiere, so zumindest die Fachpresse. Die Süddeutsche geht da deutlich milder mit ihr um und hebt ihre Professionalität, ihre schonungslose Offenheit, -Veröffentlichung aller Einzelheiten ihrer Brust-OP- und ihr ausgezeichnetes Stimmorgan hervor.
Eigentlich ist das Bloggen für Teilnehmer an der Olympiade verboten. Dass es dennoch einige tun, das bekommt man natürlich mal wieder bei den Bloggern heraus. Gefunden beim stets glänzend unterrichteten Industrial, Technology & Witchcraft.
Nun geht es also los. Ich sitze gerade vor der Glotze und sehe mir den Einzug der Gladiatoren an. Ein tolles Stadion haben die Griechen geschaffen. Beeindruckend, wie viele junge Menschen sich hier zusammenfinden, um in einem fairen Wettbewerb um die Ehre zu kämpfen. Lassen wir das jetzt mal mit dieser lästigen Dopingdebatte. Es gibt Prominenz auf den Tribünen ohne Ende, ob Horst Köhler, Königin Sophia oder das frisch vermählte dänische Prinzenpaar. Hier trifft sich einfach Alles. Jetzt warten wir noch auf die traditionelle Eröffnungsklausel und dann kann es richtig losgehen, z.B. morgen mit dem Straßenrennen der Radfahrer.
Die FAZ gibt schon mal einen Einblick auf die Vorbereitung der deutschen Fahrer. Ullrich ist der Kapitän und es wird erwartet, dass er seinen Olympiasieg wiederholt. Dazu hat er mit Klöden, Rich, Voigts und Zabel ein starkes Team an seiner Seite. Dennoch glaube ich nicht, dass Ullrich in die Nähe eines Medaillenranges kommen wird. Die Strecke ist mit einem Anstieg von 170 Höhenmetern, der in 17 Runden ebensooft zu überwinden ist, nicht schwer genug. Jeder wird auf Ullrich schauen und damit haben Außenseiter hervorragende Chancen, wobei ein Paolo Bettini schwerlich als Außenseiter bezeichnet werden kann. Ullrich ist immer dann gut, wenn er nicht unter unbedingtem Erfolgsdruck steht. Dies ist aber gerade nicht der Fall. Klöden ist keine Hilfe. Seit dem Ende der Tour ist er völlig von der Rolle und hat in den drei Rennen danach einen desolaten Eindruck hinterlassen. Am Ende gewinnt ein anderer Mann von T-Mobile. Winokurow ist sicherlich frisch genug und extrem motiviert oder sehen wir einen unerwartet starken Santiago Botero? Alles ist möglich.
Am Rande eines Berichtes zum Straßenradrennen der Deutschen Männer lesen wir, dass ein Blutdopingtest gar nicht stattgefunden hat. Warum? Weil der Test von der UCI angesetzt war und diese bei der Olympiade gar nicht zuständig ist. Der Protest der niederländischen und italienischen Teams hat zum Wegfall der Untersuchung geführt. Die Fahrer, die bereits im Bus Platz genommen hatten, um zur Untersuchung kutschiert zu werden, konnten unverrichteter Dinge wieder aussteigen.
Daran sieht man, wie es um die Einstellung der Sportler und Funktionäre wirklich bestellt ist. Wenn Formalien vorgeschoben werden, um einen Test vermeiden zu können, so macht dies meiner Meinung nach deutlich, dass man an einem Test, der doch nur bestätigen soll, dass man sauber ist, kein Interesse hat. Und dies, wo gerade die Verbände betonen, sie werden so oft es ihnen möglich ist, kontrollieren, um zu beweisen wie sauber der Sport wirklich ist. Alles Lüge.
Morgen geht es los. Sind wir, bin ich deswegen in irgendeiner Weise aufgeregt? Interessiert mich, was dort in den nächsten Tagen passiert? Nein. Irgendwie geht diese Veranstatlung bislang an mir vorbei. Keine Ahnung, woran das liegt. Die schlechten Leistungen deutscher Sportler könnten genauso ein Grund sein, wie die Ereignisse von Fußball EM und Tour de France. Überhaupt glaube ich nicht, dass der Hype um Olympia gegenüber den vergangenen Jahre noch zu toppen ist. Es werden wohl Spiele werden, bei denen vor allen Dingen die Sportler das Sagen haben und nicht die Medien.
Irgendwie habe ich aber auch noch den Eindruck, dass das Thema Doping bei diesen Spielen eine besondere Rolle übernehmen könnte. Ich rieche es geradezu.