Das Abschiedsfoto
So herzlich habe ich Lance und Jan in all den sieben Jahren nicht gesehen. Ein schönes Bild, das eine wunderbare Symbolik für die Duelle der Beiden besitzt.
So herzlich habe ich Lance und Jan in all den sieben Jahren nicht gesehen. Ein schönes Bild, das eine wunderbare Symbolik für die Duelle der Beiden besitzt.
Erfahrungsgemäß passiert auf der Schlussetappe nichts mehr. Es ist die Tour d'honeure, die Tour der Ehre. Die Sieger der Trikots lassen sich schon unterwegs feiern. Es gibt Sekt, Formationen für die Fotografen und Interviews der Fahrer aus dem Fahrradsattel heraus. Diesmal war es eine besondere Ehrenrunde. Mit Armstrong verabschiedete sich nicht nur der Sieger der diesjährigen Tour, sondern der vergangenen sieben Jahre. Viele Fahrer erhielten die Gelegenheit, mit dem Champ zu sprechen. Besonders beeindruckt hat mich die Ehrenrunde vorbei an den technischen Leitern. Armstrong ließ sich zurückfallen an das Ende des Feldes und verabschiedete sich per Handschlag von allen Teamleitern.
Am Ende ging es um nichts weniger als den Etappensieg. UNd auch hier wurde wieder um jeden Meter gefightet. Der Gewinner der Etappe dürfte mindestens so überrascht gewesen sein über seinen Sieg wie der Rest der Welt. Vino trat drei Kilometer vor dem Ziel an. Ein aussichtsloses Unterfangen. In den vergangenen Jahren gab es keinen einzigen Ausreißersieg. Auch Vino wurde eingeholt. Alles war vorbei. Doch dann trat Patrick McGee an, der Australier in Diensten des französischen Teams La Francaise des Jeaux
. Der Mannschaft fehlte schlicht ein Etappensieg bei dieser Tour. McGee ist Sprinter und als solcher richtig schnell. Vino suchte reflexartig sein Hinterrad und so konnten sich die Beiden wieder etwas vom Feld absetzen. McGee schien entgangen zu sein, welch gefährliche Fracht er im Schlepptau hatte. Als ihn kurz vor dem Ziel die Kräfte verließen, schlug Vinokourov zu und fuhr an McGee vorbei als erster über die Ziellinie am Ende der Tour de France 2005. McGee konnte nur noch wütend auf seinen Lenker trommeln. Ohne McGee hätte es Vino nicht geschafft. Solch unberechenbaren Konstellationen gibt es nur im Radsport.
Ullrich zeigte, dass mit ihm vor allem gegen Ende der Tour zu rechnen ist. Seine zweitschnellste Zeit mit lediglich 23 Sekunden hinter Armstrong können sich wirklich sehen lassen. Der Tagessieg von Armstrong zeigt uns aber, dass dieser Mann jederzeit Herr der Lage ist. Ab nächstem Jahr wird sich vieles ändern bei der Tour, denn er war ein dominierender Faktor.
Basso hatte sich etwas verschätzt. Sein fünfter Platz ist zwar nicht schlecht, für den kommenden Toursieger aber etwas schwach. Ullrich lag mehr als 1 ½ Minuten vor ihm. Beachtenswert ist auch Vinokourovs dritter Platz. Er wird in den nächsten Jahren ein ernster Gegner sein im Kampf um das gelbe Trikot.
Das Zeitfahren lässt für die kommende Tour alles offen. Ein klarer Favorit ist nicht zu sehen. Zwischen Basso, Ullrich und Vinokourov ist das Rennen eröffnet.
Guerini ist sicherlich der schwächste Sprinter der Ausreißergruppe gewesen, die diesmal laufen gelassen wurde. Er macht es, wie es alle in seiner Situation machen würden, kurz vor dem Ziel abhauen und hoffen, dass sich die Verfolger nicht einig werden. Das passiert vielleicht in einem von zehn Fällen, Aber darauf muss man bauen. So ist diesmal der wackere Guiseppe der lachende Gewinner. Völlig unerwartet kommt er zum zweiten Tour-Etappensieg in seiner Karriere.
Ansonsten gibt es zu dieser Etappe wirklich nichts Besonders zu berichten. Daher sollte ich es auch lassen.
Aus dem Liveticker der ARD:
Die Angriffslust der Rennfahrer ist auch kurz vor Ende der Tour de France ungebrochen - was sich nicht zuletzt am hohen Stundenmittel von 40,1 km/h für eine solche Etappe abliest. Die beiden Anstiege zum Schluss des Tagesabschnitts haben das gehalten, was man sich davon versprochen hatte: Attacken in der Spitzengruppe und auch im Hauptfeld.
Neben dem Tagessieg für Marcos Serrano (LSW) ist hervorzuheben, dass Jan Ullrich (TMO) diesmal seinem Ziel, noch einen Platz auf dem Podium dieser Tour zu erreichen, einen kleinen Schritt näher gekommen ist. Er nahm im Schlussanstieg Michael Rasmussen (RAB) 37 Sekunden ab und verringerte seinen Rückstand auf den Dänen auf 2'12 Minuten.
Was für ein tolles Finale, wie gemacht für Jan Ullrich. Ein ca. 2 km langer steiler Anstieg. Ullrich greift die Gruppe der Favoriten an. Nur Basso und Armstrong folgen. Am Ende haben diese Beiden sogar mehr Druck als Ullrich, der gerade noch mit diesen über die Kuppe kommt. Doch Ullrich nimmt Rasmussen entscheidende Sekunden ab. Dieser zeigt, dass es mit seiner Form nicht mehr so gut bestellt ist. Die Vorzeichen für das Zeitfahren stehen nicht gut für ihn.
Machen wir es kurz, diese Etappe konnte ich leider nicht mitverfolgen. Savoldelli durfte mit einigen anderen Fahrern enteilen. Die Favoriten ließen die Gruppe gewähren und am Ende konnte wieder ein Helfer von Armstrong die Arme in die Luft reißen. T-Mobile und Jan Ullrich kämpften um einen Platz auf dem Podium, konnten jedoch außer Beachtung nichts erreichen.
Langsam entwickelt sich Oscar Pereiro zu einem beachtenswerten Fahrer. Nachdem er vor dem Ruhetag hinter dem fantastischen Hincapie Zweiter wurde, hat es heute für den Sieg gereicht. Dabei ist, wie man dem Tagebuch von Jörg Ludewig entnehmen kann, das Ausreißen kein einfaches Unterfangen, den jeder, der nicht gerade fußkrank ist, will es versuchen.
Apropos Ludewig, heute hat es auch bei ihm geklappt. Er kommt als Siebter ins Ziel. Dort sieht er aber nicht mehr so gut aus. Er ist sehr enttäuscht von Cedal Evans. Dieser hat die Gruppe überredet, mit ihm zu fahren, was normalerweise nicht gegangen wäre, da er zu weit vorne platziert ist. Nachdem die Kraft der Ausreißer nachlässt, fährt Evans alleine weiter.
Auch T-Mobile hat wieder was versucht. Vino fuhr eine Attacke nach der anderen. Doch Basso und Armstrong passten auf.
Im Gegensatz zum ersten Ruhetag ging es heute weniger um Verletzungen, als um Wechselgerüchte, Vertragsverlängerungen und um Vermutungen, was im Leben nach Armstrongs letzter Tour passieren wird.
Basso bleibt bei CSC, Ullrich will auch im nächsten Jahr versuchen, die Tour zu gewinnen und Pevenage rückt wieder näher an das Team.
Von der dpa gibt es ein hammergeiles Foto von Armstrong und Hincapie. Das musste ich mir einfach besorgen.
Sechs Berge der zweiten, ersten und Hors Categorie, über 200 km und wieder ist es heiß. Es sollte die schwerste Etappe der diesjährigen Tour werden. Die Favoriten waren müde und ließen die Ausreißer gewähren. Das brachte diesen bis zu 18 Minuten Vorsprung ein. T-Mobile war ebenfalls müde und beschränkte sich darauf, dass Ullrich in der Nähe von Armstrong blieb. Doch am letzten Berg war wieder Schluss mit Lustig, Ullrich musste reißen lassen und verlor wieder einmal wertvolle Zeit auf Armstrong und Basso. Schlimmer noch, Rasmussen kam direkt nach ihm ins Ziel und damit scheint ein Podiumsplatz für Ullrich in weite Ferne gerückt. Ihn trennen fast 3 Minuten vom Podium.
Wahrscheinlich war Ullrich vom schweren Vortag geschwächt. T-Mobile hatte attackiert auf Teufel komm raus. Zudem sind 6 Mörderberge keine Kleinigkeit und am Ende hat Ullrich den Motor etwas überdreht.
Gefreut habe ich mich für George Hincapie, den unermüdlichen Helfer von Armstrong, der ein guter Klassikerfahrer ist und bislang zum beständigsten Helfer bei der Tour gehört. Er ist der Einzige, der bei allen sieben Siegen dabei war und der erste Fahrer aus dessen Mannschaft, der eine Etappe gewinnen konnte. Dass dies gerade bei dieser superschweren Bergetappe geschah ist schon erstaunlich. Doch Hankiepankie verriet uns, dass er wochenlang Bergfahren trainiert hat, um sich in diesem Metier zu verbessern. Gelungen.
War das eine tolle Etappe. Glühend heißes Sommerwetter, an die 30°C im Hochgebirge und T-Mobile macht Druck. Sie fahren so schnell im Tal und von unten in den Berg hinein, dass Armstrongs Mannschaft auseinanderfliegt. Erstes Ziel erreicht.
Zweitens versucht Vinokourov mit Attacken Armstrong zu provozieren. Doch der bleibt erst einmal ruhig sitzen. Dann am letzten Berg zieht er durch und stürmt gemeinsam mit Basso und Ullrich. Alle sind weg. Nur wenige Ausreißer liegen vor den Favoriten. Mit einem Mördertempo stürmen sie nach oben, holen einen Ausreißer nach dem anderen ein. Ullrich scheint erstmals seit langem gut mithalten zu können. Oben wird die Strecke flacher. Das müsste Ullrich liegen. Doch kurz davor zieht Armstrong noch einmal kräftig durch. Basso kann folgen. Ullrich platzt. Er bleibt stehen und Armstrong nimmt ihm 20 Sekunden ab.
Der wackere Georg Totschnig, Österreicher und Gerolsteiner kommt noch vor Armstrong durch. Er hat als einziger den Ausreißversuch vor den Verfolgern überlebt. Es ist der erste österreichische Etappenerfolg seit 1931 und der erste Erfolg des Team Gerolsteiner. Da knallten sicherlich einiger Korken an diesem Abend.
Ullrich hat alles richtig gemacht und dennoch keine Sekunde auf Armstrong gut machen können. In Armstrong hat Ullrich seinen Meister. Schade, dass Ullrich immer nur gegen Armstrong unterliegt. Aber was wäre Armstrong ohne Ullrich? Gerade durch ihn werden seine Siege erst wertvoll. Die Duelle spannend und die Tour interessant. Den letzten Toursieg müsste Armstrong Ullrich widmen. Wer weiß wo Armstrong ohne ihn wäre.
In diesem Jahr programmiere ich ausschließlich die öffentlich Rechtlichen. Grund sind die vielen Werbeunterbrechungen bei Eurosport, die in den unmöglichsten Zeiten stattfinden.
Leider kann ich daher nicht sagen, wie die Kommentierung bei Eurosport ist. Das Beiprogramm ist auf alle Fälle bei den öffentlich Rechtlichen umfangreicher. Die haben neben den Reportern in der Kabine Rudi Cerne oder Monika Lierhaus vor Ort, die mit illustren Gästen sprechen. Und dann sind da noch die Kokommentatoren. Udo Bölts hat zwar viele Kenntnisse von den Gegebenheiten hinter den Kulissen, ist aber nicht wirklich überzeugend. Marcel Wüst ist locker, kompetent und vielleicht eine Spur eingebildet. Eine Entdeckung ist Rolf Aldag. Von dem wünsche ich mir mehr. Es hat mich schon gefreut, zu hören, dass Rolf in diesem Jahr dabei ist.
Im vergangenen Jahr war Jens Heppner bei Eurosport mit in der Kabine. Jens plappert munter mit und kennt die Szene perfekt. Eine echte Bereicherung. Aber leider gibt es im Ziel gar nichts. Keine Interviews, höchstens die Wiedergabe des Offiziellen mit dem Sieger.
Die Germanisierung des internationalen Radsports bringt nun die Gelegenheit, mal mit anderen Menschen zu sprechen als mit Uropa Rudi Altig. Aldag und vielleicht auch Zabel sind sicherlich sehr begabt.
Eigentlich hätten heute Ausreißer durchkommen müssen, denn — so sieht es auch Gewinner McEwen — die Etappe war zu lang und zu heiß für Tempoarbeit im Feld. Doch durch eine Allianz von Davitamon und Lampre wurde McEwen ins Ziel getragen und kam zum dritten Sieg dieser Tour.
Ansonsten eine sehr langweilige Etappe. Es gab einige Ausreißversuche, die Landschaft war karg und das Wetter mit bis zu 40°C sehr heiß. Die Fahrer bauen langsam ab. Nur wenige haben noch das Niveau, das sie vor der Tour hatten. Jörg Ludewig schreibt in seinem Tagebuch bei RadsportNews, dass sein Maximalpuls 20 Schläge unter seinem üblichen Niveau liegt.
Morgen geht es in die Pyrenäen. Da wird Rasmussen zeigen können, ob er Armstrong tatsächlich gefährlich werden kann. Das wird wirklich spannend.
Ob es Absicht ist? Irgendwie schafft es fast immer ein Franzose, am Nationalfeiertag als Erster die Ziellinie zu überqueren. Herzlichen Glückwunsch an den beherzt fahrenden David Moncoutié. Die Etappe sah nicht leicht aus, doch dies war der Tag der Underdogs. Ein echter Ruhetag für die Fahrer, die das Gesamtklassement im Blick haben. Morgen wird es aber schlimmer. Da gibt es keine Erhebung, die man erwähnen dürfte. Eine Brückenauffahrt dürfte das Anstrengendste sein.
Für die Franzosen war heute ein schöner Tag, für den Rest der Tourbegeisterten ein unbedeutender Tag.
Vielleicht sollte man aber noch erwähnen, dass Tom Boonen heute aufgeben musste. Die Sturzverletzung von gestern war doch zu gravierend. Das ist schade für diesen talentierten Mann. Doch er ist noch jung und hat noch viel vor sich. Der Kampf um das grüne Trikot ist damit neu entbrannt und Fahrer wie O'Grady oder Hushovd haben nun Chancen, obwohl sie bisher eher glücklos agierten.
Im Apfeltalk gibt es einen schön langen Thread zur Tour de France. Die Diskussion geht um das schlechte Abschneiden von Ullrich, den unbezwingbaren Armstrong und das Interesse am Radsport überhaupt.
Da einige der Meinung sind, dass Ullrich ein Versager ist, habe ich meine Sicht der Dinge ausführlich dargestellt. Hier mein Statement:
Bei meinem Lieblingsthema muss ich mich natürlich auch einmischen, selbst wenn das, was ich zu sagen habe hier bereits Erwähnung gefunden hat.
Ullrich ist ein klasse Rennfahrer. Doch das Bessere ist des guten Feind. In den Bergen war Ullrich noch nie der Beste. Nicht einmal, als er die Tour gewonnen hat. Wer erinnert sich noch an die Attacke von Virenque in den Vogesen und Bölts berümt gewordenem Satz? Schaut doch mal, wie schnell die Berge seit Pantani gefahren werden. Das ist eine andere Qualität. Zu Indurains Zeiten war das anders. Da konnte ein guter Zeitfahrer wie Riis durch die schiere Macht des Willens dran bleiben. Ullrich hat die Tour damals gewonnen durch eine Attacke nach Andorra hinauf und ein fantastisches Zeitfahren. Doch er hat noch nie in den Bergen dominiert. Da gab es schon immer andere, die besser waren.
Was soll das Ändern seines Fahrstils bringen? Das sind doch Wünsche wie von der Bildzeitung. Wenn, dann und wir wollen doch nur, dass endlich unser Ulle gewinnt. Die bösen Kommentare gibt es doch nur, weil einige persönlich enttäuscht sind, dass ihre Erwartung nicht eingetreten ist. Das ist aber doch eher ihr Problem als das von Ullrich. Ullrich fährt Fahrrad, so wie er es gelernt hat und so gut er kann und Ullrich ist gut. Wir sollten aufhören, Erwartungen in ihn hinein zu projezieren, die er nicht erfüllen kann.
Gestern hat er nur zwei Minuten verloren. Heras, Mayo und Vinokourov sahen da ganz anders aus. Armstrong hat zwar gewonnen, er sah aber richtig alt aus dabei. Das zeigt wohl auch, was die Etappe allen Fahrern abverlangt hat.
Lasst unseren Ulle doch so wie er ist. Durch ihn wurde Radsport in Deutschland wieder richtig interessant und populär. Und es freut mich riesig, wenn er nach so einer Etappe sagt, die Tour ist noch lang. Er hört nicht auf, auf eine Schwäche von Armstrong zu warten. So wie wir alle. Doch den Gefallen tut uns der Mistkerl nicht. :cry:
Mit dem 2645 m hohen Col du Galibier wurde heute das Dach der Tour überquert. Wie zu erwarten, wurde schon früh angegriffen. Pech für den Rest des Feldes, dass mit dem ehemals Zweitplatzierten Vinokourov ein gefährlicher Mann dabei war. Da konnte es Discovery Channel nicht ganz so ruhig angehen lassen. Doch Armstrong wäre nicht Armstrong, wenn er sich in dieser Situation nicht besonders herausgefordert fühlen würde. Der Meister ließ nichts anbrennen. Die Ausreißer kamen nie weit weg. Aber die zwei ungefährlichen Minuten konnte man ihnen zugestehen. Im Finish zeigte sich, dass Vino ein Fahrer der Extraklasse ist. Er konnte trotz aller Anstrengungen Botero locker stehen lassen.
Die Gruppe um Armstrong zeigte, dass die Etappe für die Favoriten keine besondere Herausforderung war. Es waren noch ca. 25 Fahrer beisammen. Armstrong hatte sogar einen Großteil seines Teams beisammen. Daher hat sich am Gesamtklassement auch nichts wesentliche geändert.
Wo ist Vinokourov? Der Mann, der sich am Ruhetag noch als möglicher Sieganwärter der kommenden Jahre anbietet, geht im Finale der heutigen Etappe völlig unter. Das dürfte ihn teuer zu stehen kommen, denn damit wird sein Preis im Verhandlungspoker deutlich fallen.
Armstrong macht seine Ankündigungen wahr. Es muss sich etwas tun, sonst ist sein Unternehmen Toursieg in Gefahr. Kampf ist seine Devise, ob gegen den Krebs oder die Gegner, Armstrong kennt nur die Wut gegen den Feind. In diesem Falle die bösen Angreifer auf sein gelbes Trikot. Und Wut hat er heute gehabt. Das hätten die T-Mobiler nicht tun dürfen am vergangenen Samstag in den Vogesen. Ein Armstrong vergisst nicht. Er greift an und das mit einer mörderischen Anstrengung. Seine Mannschaft scheint in diesem Jahr nicht allzu bergfest zu sein. Das dürfte in den Pyrenäen noch für die ein oder andere Überraschung sorgen. Doch heute hat Armstrong gezeigt, dass er der Herr im Ring ist und niemand sonst.
Wirklich niemand? Ok, Vino ist untergegangen, Ullrich hat viel Zeit verloren, sogar Basso musste reißen lassen. Aber was ist mit diesem verrückten und nicht sonderlich gut aussehenden Rasmussen? Der fährt die Berge hoch wie nichts, ist tempofest auf langen Alleinfahrten und kann sogar Armstrong attackieren. Den Jungen müssen wir im Auge behalten.
[Nachtrag] Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ein gewisser Valverde diese Etappe gewonnen hat.
Was mich ärgert, sind die unpassenden Kommentare in der Presse zu Ullrichs Abschneiden. Der Angriff von Lance Armstrong war ultra hart. Dabei sind Leute wie Iban Mayo oder Heras baden gegangen. Vinokourov, bislang als besser eingeschätzt als Ullrich, blieb zurück. Ullrich hat sich auch angesichts seines Sturzes vom Sonntag in guter Form gezeigt. Er musste reißen lassen, fuhr aber flüssig und konstant. Die Journalisten glauben wohl, sie könnten ihren Ulle schön reden. Der Mann ist nicht besser am Berg als Armstrong und war auch noch nie besser am Berg als dieser. Woher um Himmels willen, sollte er gestern die Physis nehmen, den brachialen Angriff zu parieren? Schon vor der Tour habe ich gesagt, Ullrich kann Armstrong in den Bergen nicht bezwingen. Das hat man gestern wieder gesehen. Da hilft auch kein anderer Formaufbau oder eine andere Lebenseinstellung zu Essen und Trinken. Ullrich hat seine Stärken und seine Schwächen. In Armstrong hat er seinen Meister gefunden. Das sollten wir endlich akzeptieren. Was Ullrich braucht, ist eine Schwäche von Armstrong. Doch darauf warteten wir bisher vergeblich.
Ich habe aber etwas gesehen. Armstrong wollte unbedingt die Etappe gewinnen. Doch das ging nicht. Es gab schnellere (bessere?) Fahrer. Valverde hat nicht nur gewonnen, er hatte sogar noch einen Helfer dabei. Das dürfte dem Maestro nicht gefallen. Aus der Ecke droht Gefahr. Zudem sah Armstrong schlecht aus. Das Gesicht war eingefallen, der Blick leer. Vielleicht kann er sich über diese Tour retten. Es kann aber noch ein Debakel geben. Die Chance auf eine Schwäche Armstrongs ist da. Bislang ging für Armstrong alles gut. Aber überzeugen konnte mich Armstrong heute nicht.
Was gibt es an einem Ruhetag zu berichten. Z.B., dass Jan Ullrich geröntgt wurde und ein Rippenbruch nicht bestätigt wurde. Überhaupt versucht er, gute Laune zu verbreiten. Beim tief Luftholen hat er Schmerzen, aber er hofft, es geht im am nächsten Tag besser. Wir werden es sehen. Nach allen Ankündigungen hat T-Mobile am Dienstag was vor.
Unterdessen wird klar, dass Alexander Vinokourov große Pläne hat. Er will die Tour gewinnen und wenn dies bei T-Mobile nicht möglich ist, würde er gerne bei Discovery Channel anheuern. Das hat doch was, wenn im nächsten Jahr Ullrich und Vino als Kontrahenten antreten. Möge die Macht mit ihnen sein.
Das ist Voigt, wie wir ihn kennen. Das dürfte heute auch die letzte Chance für ihn gewesen sein, das Gelbe zu holen, denn ab Dienstag wird es ernst. Da kommt mit Courchevel eine Bergankunft der 1. Kategorie. Bis dorthin darf er sein Leibchen pflegen.
Wenn man die Kommentare richtig deutet, dann hat der kapitale Sturz von Ullrich für die erste ruhigere Etappe gesorgt. Wer weiß, vielleicht hätte T-Mobile erneut Armstrong attackiert. Doch das ist Spekulation. Nach meiner Einschätzung wollten die Mannen von Mario Kummer ebenfalls die Etappe zum Mitrollen nutzen und Ausreißern wie Jens Voigt, den Vortritt lassen. Auch Armstrong dürfte nicht wirklich traurig sein, dass Trikot wieder los zu sein. Die Etappe nach Gérardmer wird ihm noch in guter Erinnerung sein. In den Bergen werden die Karten neu gemischt. T-Mobile hat es noch einmal spannend gemacht. Allein, mir fehlt der Glaube.
Inwieweit der Sturz von Ullrich diesen in den kommenden Tagen behindern wird, werden wir sehen. Die Tatsache, dass eine Rippenfraktur im Frage steht, verheißt nichts Gutes.
Das war ein tolles Finale für T-Mobile. Lance Armstrong sah nicht wirklich überzeugend aus. Selbst wenn der Verdacht bleibt, dass dies auch ein Ablenkungsmanöver der Amerikaner gewesen sein könnte, so wie damals in Alpe d'Huez. Doch heute bleibt als Tatsache festzuhalten, dass Armstrong alleine die Angriffe der T-Mobiler parieren musste.
Besonders gefreut hat mich, dass Andreas Klöden wieder da zu sein scheint. Sollte er ähnlich stark sein, wie im vergangenen Jahr, dann hat es Armstrong mit drei Fahrern zu tun, die jeweils in der Lage sind auf das Treppchen zu kommen. Wie stark die Drei wirklich sind, müssen sie im Hochgebirge noch beweisen. Sie dürfen auch keine Fehler machen und zu früh oder zu spät angreifen. Ullrich hat in dieser Disziplin bislang nicht gerade mit Cleverness überzeugt.
Jetzt freue ich mich mal über diesen schönen Tag und hoffe, dass die Tour doch noch spannend wird.
[Ergänzung] Bei der heutigen Radtour war der Zielsprint zwischen Weening und Klöden das alles beherrschende Thema. Fast alle fanden, dass Klöden ungerecht behandelt worden sei.
Der arme Kerl, schon wieder nur Zweiter.
Und was ist mit Weening? Hat er nicht den Sieg verdient? Er ist zum ersten mal bei der Tour. Gehörte zu den Ausreißern und hat bereits unten am Berg beherzt angegriffen. Er hat sich vom heranstürmenden Klöden nicht abschütteln lassen und entgegen der Gepflogenheiten ebenfalls Führungsarbeit übernommen, um vor den Verfolgern ins Ziel zu kommen. Wenn einer den Sieg verdient hat, dann Weening. Dass die Entscheidung dadurch fiel, dass man den Unterschied von 8 mm in einem Foto erkennen zu können glaubte, ist allerdings eine andere Sache.
Und McEwen kommt zum zweiten Tagessieg. Damit zieht er mit Tom Boonen gleich, der im Finale deutliche Schwächen zeigte. Irgend etwas scheint mit Boonen nicht zu stimmen. Das ist nicht der Dominator der ersten Tage. Toll war das Auftreten von Fabian Wegmann, der die Etappe nutzte, um sich bekannt zu machen. Er fuhr mehr als 160 km vor dem Feld her und holte sich so das Punktetrikot des Bergbesten. Leider wurde er hinter der Grenze vom Pulk eingefangen. Aber der Sonnyboy war dennoch mit sich und dem Tag mehr als zufrieden.
Überhaupt ist die Tour wahnsinnig schnell. Ob die ständig Rückenwind haben? Da werden Geschwindigkeiten von 50 km/h bereits vom Start weg gefahren. Wie halten die das durch? Mal schaun, was die Berge bringen.
Eigentlich wollte ein Mann die Geschichte dieser Etappe schreiben, Christophe Mengin. Er gab in seiner Heimat mächtig Gas und lag wenige Meter vor dem Ziel aussichtsreich in Führung. Doch dann stürzte er in der letzten Kurve auf dem rutschigen Belag eines Zebrastreifens und damit waren die zwei Verfolger, Vinokourov und Bernucci an ihm vorbei. Letzterer kam ohne Probleme durch die Schikane und konnte so noch am vor ihm fahrenden Vino vorbei, der durch den Sturz von Mengin aus dem Pedal musste. Der weithin unbekannte Bernucci kam dadurch zu einem wertvollen Etappensieg und Vino machte Plätze gut im Kampf um das gelbe Trikot. Die tragische Gestalt des Tages war Mengin.
Armstrong erklärte später, dass es bei den schlechten Straßen unverantwortlich gewesen wäre, hinter Vinokourov zu attackieren. Ein kleiner Punktsieg für T-Mobile.
Wurde McEwen am Montag noch zurückgestuft auf den letzten Platz seiner Zeitgruppe, er hatte sich massiv gegen einen Mitstreiter gestemmt und dazu den behelmten Kopf benutzt, straft er seine Kritiker Lügen und lässt Taten folgen. Seine Cleverness im Sprint sucht Seinesgleichen. Seine Coolness erinnert mich an den Usbeken Abduschaparov, der von seinen Sprintkollegen mehr gefürchtet als geachtet wurde und letztlich wegen Dopings seine Karriere beenden musste. Doch während Abdu mit schierer Kraft dem Ziel entgegeneilte hat McEwen ein gutes Auge für die Situation und befindet sich wie durch Geisterhand oft an der richtigen Stelle.
Am Rande gab es Ärger um das gelbe Trikot. Armstrong wollte zu Ehren Zabriskies, der das Trikot wohl nur wegen des Sturzes 2 km vor dem Ziel verloren hatte, das Gelbe nicht tragen. Doch die Organisatoren konnten ihn überreden, es nach der Neutralisation doch anzuziehen. Theater.
Na, das lief doch hervorragend für T-Mobile. Discovery Channel und CSC waren klar favorisiert. Daher ist es kein Manko, wenn man hinter diesen Mannschaften Dritter wird, was nach der Deckelung im Reglement 30 Sekunden Rückstand bedeutet. Im übrigen lag der tatsächliche Abstand mit 35 Sekunden nur knapp darüber.
Bitter für CSC war der Sturz von Zabriskie. Das hat sie in meinen Augen den Sieg gekostet. 2 Sekunden haben schließlich gefehlt. Damit ist das Gelbe weg und Zabriskie ist erheblich verletzt. Mal sehen, ob er die Tour zu Ende fahren kann.
Die Vorstellung der Discoveries, Voigt spricht immer noch von U.S. Postal, war beeindruckend. Armstrong und sein Team sind auf den Moment fit. Wer will sie aufhalten? Das Unternehmen Toursieg scheint schon wieder voll aufzugehen. Zum Kotzen.
Gibt es zu dieser Etappe noch etwas zu sagen? Eigentlich nicht. Es gewann wieder Boonen, es war eine stinknormale Sprintetappe und ja, die Tour ist immer noch die Langweiligste seit Jahren.
Schön, dass bisher Massenstürze größeren Ausmaßes ausblieben.
Nachdem Zabel nicht dabei ist, sind Sprintetappen für mich nicht mehr so wahnsinnig spannend. Mit Boonen hat der klare Favorit gewonnen. Einzig erwähnenswert dabei ist vielleicht die Tatsache, dass dieser junge Rennfahrer mit dem hohen Erwartungsdruck zurecht kommt.
Überhaupt hat mich die klare Deklassierung von Ullrich am Samstag so richtig demotiviert, diese Tour noch gut zu finden. Was soll denn jetzt noch kommen? Vielleicht ein Sturz von Armstrong oder ein formidabler Angriff von Vinokurov? Ullrich wird nichts mehr zu bieten haben, an eine Wiederauferstehung glaube ich nicht. Überhaupt ist seine Zeit wohl zu Ende. Ich weiß nicht, wer diese These aufgebracht hat, Merckx war es wohl, der sagte, dass Ullrich am Ende gar nicht gerne Rad fährt und das liege möglicherweise am System der DDR. Bei Ullrich steht Zwang dahinter, bei Armstrong starker Ehrgeiz. Und Wollen ist nun man stärker als Sollen.
Die Tour wird wohl als eine der Langweiligsten in die Analen gehen. Dabei sei es vorher ganz anders aus.
Was für eine Schmach. Soeben überholt Armstrong Ullrich beim Zeitfahren. Das ist ein Paukenschlag. Alle, die auf Ullrich gehofft haben, bekommen bereits bei diesem Zeitfahren signalisiert, dass Ullrich wohl nicht der Mann sein kann, der Armstrong schlagen kann. Die letzten Hoffnungen, dass unser Ulle Armstrong in die Schranken weist, sind damit für immer dahin.
Wie Ihr wisst, ist die Tour für mich das Sportevent des Jahres. Jede Etappe wird aufgezeichnet und abends gewissenhaft nachverfolgt. Nein, ich schau mir nicht jede Minute an. Aber ich kann zu den Schlüsselszenen spulen, wichtige Kommentare und Interviews sehen und meine eigene Slow Motion auswerten.
Was liegt da näher, als täglich von der Tour zu berichten. In einer eigenen Kategorie will ich mich zu allen Etappen äußern. Und diese in crhonologischer Reihenfolge präsentieren. Mein eigener Nutzfaktor besteht darin, dass ich im tristen Winter oder in Vorbereitung auf das Folgejahr, die Tour genüsslich Revue passieren lassen kann.